Gleichnisse

In der Bibel finden sich viele Textstellen, in denen Jesus seinen Zuhörern Geschichten mit gleichnishaftem Inhalt erzählt. Dies führte dazu, dass Seine Zuhörer meist nur den äußeren Buchstabensinn Seiner Worte verstanden haben. Seinen Jüngern hingegen erklärte Er den wahren, inneren Sinn seiner Worte.


Das sagt die Bibel über Gleichnisse:

Sprüche Salomos, des Sohnes Davids, des Königs über Israel, um zu erkennen Weisheit und Zucht, um zu verstehen verständige Reden, um zu erlangen Selbstzucht und Einsicht, Gerechtigkeit, Urteil und redlichen Sinn, den Unerfahrenen Klugheit zu geben, der Jugend Erkenntnis und Überlegung. Hört sie der Weise, so wächst er an Bildung, und der Verständige hat feste Führung, um zu verstehen Sinnspruch und Gleichnis, Worte der Weisen mitsamt ihren Rätseln. Furcht des Herrn ist der Anfang des Wissens, nur Toren verachten die Weisheit und Zucht.
[Spr 1,1-7]

Dies alles redete Jesus in Gleichnissen zum Volke, und ohne Gleichnisse redete er nichts zu ihnen, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten: "Ich will meinen Mund auftun in Gleichnissen und aussprechen, was seit Anbeginn der Welt verborgen war"
[Matth 13,34-36]

In vielen solchen Gleichnissen predigte er ihnen das Wort, so wie sie es fassen konnten. Ohne Gleichnisse redete er nicht zu ihnen; waren sie aber unter sich allein, erklärte er seinen Jüngern alles.
[Mark 4,33-35]

Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: "Das Himmelreich ist gleich einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut mitten unter den Weizen und ging davon. Als nun die Saat wuchs und Frucht ansetzte, da erschien auch das Unkraut. Da traten die Knechte des Hausherrn herzu und sagten zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut? Er sprach zu ihnen: Ein feindseliger Mensch hat das getan. Die Knechte aber sagten zu ihm: Willst du, dass wir hingehen und es sammeln? Er sprach: Nein; damit ihr nicht etwa, wenn ihr das Unkraut sammelt, mit ihm zugleich den Weizen herausreißt. Lasst beides zusammen wachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Büschel zum Verbrennen, den Weizen aber sammelt in meine Scheuer."
[Matth 13,24-30]

Darauf entließ er das Volk und ging nach Hause; da traten seine Jünger zu ihm und sagten: "Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker!" Er antwortete: "Der den guten Samen aussät, ist der Menschensohn. Der Acker ist die Welt; der gute Same, das sind die Söhne des Reiches, und das Unkraut, das sind die Söhne des Bösen. Der Feind aber, der es säte, ist der Teufel. Die Ernte ist die Vollendung der Welt, und die Schnitter sind die Engel. Wie man nun das Unkraut sammelt und im Feuer verbrennt, so wird es sein bei Vollendung der Welt. Der Menschensohn wird seine Engel aussenden, und sie werden zusammenholen aus seinem Reiche ‚alle Ärgernisse und alle, die das Böse tun', und sie hineinwerfen in den Feuerofen; dort wird Heulen sein und Zähneknirschen. ‚Dann werden die Gerechten leuchten' wie die Sonne im Reiche ihres Vaters. Wer Ohren hat, der höre!"
[Matth 13,36-43]



Das sagt Jakob Lorber über Gleichnisse:


Spricht Nathanael: "Seid ihr denn wohl gar so verschlagenen Gemütes, dass ihr eine so klar gegebene Lehre nicht in ihrem wahren Sinne fassen möget? Haben denn nicht die Propheten nahe samt und sämtlich von Christus vorhergesagt, dass Er nur in Gleichnissen Seinen Mund auftun und nicht ohne Gleichnisse reden werde mit den Menschen?"
Sagt der Oberpriester: "Jawohl, da hast du recht; denn also steht es geschrieben."
Spricht weiter Nathanael: "Nun gut, so du das als ein Schriftkundiger weißt, warum schiltst du dann den Herrn einen Narren, so Er nach der Schrift Seinen Mund auftut in Gleichnissen, zu deren Verständnis du den Herrn wohl um ein Licht anflehen kannst, aber deshalb nicht den Herrn einen Narren schelten sollst, so dir Seine gleichnisweise Rede unverständlich ist, indem du selbst voll Unverstandes bist in solchen Dingen Gottes?!
Siehe, die Dinge der Natur haben ihre Ordnung und können nur in dieser ihrer eigentümlichen Ordnung bestehen; und so haben auch die Dinge des Geistes ihre höchst eigentümliche Ordnung und können außer solcher Ordnung nicht bestehen, nicht gedacht und nicht ausgesprochen werden. Aber zwischen den Naturdingen und den geistigen Dingen, weil jene aus diesen hervorgegangen sind, ist und besteht eine genaue Entsprechung, die freilich wohl nur der Herr allein am allerbesten kennt.
Wenn nun der Herr uns rein Geistiges verkündet, die wir noch sämtlich in der starren Ordnung der Naturmäßigkeit uns befinden, so kann Er solches ja nur auf dem Wege der gleichnisweisen Entsprechungsbilder geschehen lassen. Um diese aber recht zu verstehen, müssen wir trachten, unsern Geist durch die Beachtung der Gottesgebote zu wecken. Erst in solcher Gewecktheit werden wir darüber ins klare kommen, was der Herr unter einem solchen entsprechenden Gleichnisbilde alles gesagt
und geoffenbart hat, und eben darin wird sich Sein göttlich Wort ewig von unserem menschlichen unterscheiden.
[GEJ.01_42,2-6]


Ich, oder wie da sagen die Juden, der Menschensohn, ist es, der da nun ausstreut den guten Samen. (Matth.13,37) Der Acker ist die Welt; der gute Same sind die Kinder des Reiches; das Unkraut aber sind die Kinder der Bosheit. (Matth.13,38) Der Feind, der sie sät, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt, und die Schnitter sind die Engel! (Matth.13,39) Gleichwie man aber das Unkraut auf dem Acker ausjätet, es in Bündeln zusammenbindet und es dann verbrennt, also wird es auch am Ende der Welt gehen! (Matth.13,40)
Des Menschen Sohn wird Seine Engel aussenden, und sie werden sammeln aus Seinem Reiche alle Ärgernisse und alle Menschen, die da unrecht tun (Matth.13,41) und für die Not ihrer Brüder weder Augen noch Ohren und noch weniger ein Herz haben, und werden sie werfen in den Feuerofen, allwo Heulen und Zähneklappern sein wird. (Matth.13,42) Der Feuerofen aber wird sein der Kinder der Bosheit - darunter zu begreifen ist Hochmut, Selbstsucht, Herrschlust, Hartherzigkeit, Gleichgültigkeit gegen Gottes Wort, Geiz, Neid, Scheelsucht, Lüge, Betrug, Wortbrüchigkeit, Unzucht und Hurerei, Ehebruch, falsches Zeugnis, böser Leumund und alles, was da ist wider das Gebot der Nächstenliebe - ihr eigenes Herz!
Denn wie den Gerechten aus ihrem Herzen ihr Himmel erblühen wird in aller Herrlichkeit, so wird den Ungerechten aus ihrem Herzen das erwachsen, was sie darinnen haben; ein böser Same wird ewig keine gute Frucht zum Vorschein bringen!
Ein hartes Herz wird keine weiche Frucht geben, und ein wortbrüchiges wird sich nimmer sammeln, und der Zorn wird das Feuer sein, das nimmer erlöschen wird! Darum hütet euch vor all dem und werdet in allem Gerechte nach dem Gesetze der Liebe!"
[GEJ.01_197,12-15]


Was die Propheten davon geschrieben haben aus ihrer inneren Eingebung, das haben sie in Bildern geschrieben, die pur Entsprechungen sind von den in ihnen verborgenen nackten Wahrheiten. Wer demnach die alte Lehre von den Entsprechungen versteht, dem wird es bald klar werden, was alles die Bilder der Propheten zu bedeuten haben.
Ihr habt von den Entsprechungen nie etwas gehört, und so kennet ihr auch von der Schrift nur den groben, naturmäßigen Sinn; aber es gibt in den Bildern der Prophetenschrift stets einen dreifachen Sinn: erstens den naturmäßig-geistigen, zweitens den pur geistigen und drittens den rein himmlischen aus dem Herzen Gottes.
Nach dem ersten bestimmt sich das sittliche Leben des Menschen alsogestaltig, dass er als naturmäßiger Mensch also denkt infolge einer rechten Erziehung und auch also handelt, dass er nicht an der Materie kleben bleibt, sondern sich von ihr abwendet und sie nur insoweit benutzt, um durch sie in das rein Geistige stets tiefer und heller einzudringen. Wer das tut, wenn er dazu unterrichtet ist, der findet dann bald die Entsprechung zwischen Materie und Geist. Hat er das, dann wird er aus dem Geistigen in das Himmlische eingehen, oder in das Reingeistige. Von da gehet es dann leicht in das rein göttlich Himmlische über. Da wird ihm dann erst vollends klar werden, was im Grunde des Grundes die Schrift der Propheten alles als vollends Enthülltes in sich enthält.
Wer aber in der Schrift nur die puren Materiebilder schon für alles hält, der beweist, dass er selbst noch pur Materie ist, die gerichtet ist und sein muss, und dass er ihr Gericht in seinem Bewusstsein und in seinem Gefühle zeit seines diesirdischen Lebens fortbehält und in der steten Furcht und Angst schwebt, auch mit seiner Seele nach dem Abfalle des Leibes in jenen rein materiellen Zustand zu geraten, in welchem die Schrift bildlich den Zustand der Materie darstellt und beschreibt.
Ich aber sage es dir und euch allen, dass jenseits sich alles anders verhält, als wie es in den Bildern der Schrift dargetan ist.
Die Worte der Schrift sind gleich der Schale eines Eies, innerhalb welcher sich auch ein Dreifaches birgt, nämlich das Weiße und das Gelbe und in der Mitte des Gelben erst das rötliche Lebensknäulchen, welches den Lebenskeim birgt.
Diese Umhülsung aber muss in der materiellen Welt überall da sein, wo nur immer etwas ist, auf dass das Innerste, Göttliche nirgends, nie und von niemandem je kann verunreinigt werden. Weil aber überall in allem Naturmäßigen Geistiges, Himmlisches und Göttliches steckt, was doch offenbar die Allgegenwart des göttlichen Willens beweist, so besteht auch Entsprechung zwischen allem, was in der Welt, im Geisterreiche, im Himmel und endlich gar in Gott Selbst sich vorfindet.
[GEJ.05_272,7-13]



Das sagt Emanuel Swedenborg über Gleichnisse:


Hieraus kann erhellen, dass das Wort (Bibel) in seinem buchstäblichen Sinn das Wort selbst ist; denn in diesem ist inwendig der Geist und das Leben; der geistige Sinn ist sein Geist, und der himmlische Sinn ist sein Leben. Dies ist es, was der Herr sagt: "Die Worte, die Ich zu euch rede, sind Geist und Leben": Joh.6/63. Der Herr sprach Seine Worte in der Welt und im natürlichen Sinn. Der himmlische Sinn und der geistige Sinn sind ohne den natürlichen Sinn, welcher der buchstäbliche Sinn ist, nicht das Wort; denn sie sind wie der Geist und das Leben ohne Körper; auch sind sie einem Palast gleich, dem die Grundlage fehlt.
Die Wahrheiten des buchstäblichen Sinnes des Wortes sind zum Teil nicht nackte Wahrheiten, sondern der äußere Schein des Wahren, und wie die Gleichnisse und Vergleiche, die aus Dingen in der Natur genommen sind. Sie sind daher der Fassungskraft der Einfältigen und auch der Kinder anbequemt und angemessen. Weil sie aber Entsprechungen sind, so sind sie Behältnisse und Wohnungen des echten Wahren, und gleichsam Gefäße, die es in sich schließen und enthalten, wie der kristallene Becher den edlen Wein, und wie die silberne Schale die essbaren Speisen in sich enthält; sie sind gleichsam Kleider, die wie die Windeln das Kind, und wie das anständige Gewand die Jungfrau bedecken. Sie gleichen auch den Kenntnissen des natürlichen Menschen, welche die Wahrnehmungen und Neigungen des Wahren in sich fassen, das dem geistigen Menschen angehört. Die nackten Wahrheiten selbst, welche eingeschlossen, enthalten, bekleidet und umfasst sind, befinden sich im geistigen Sinn des Wortes, und das nackte Gute in seinem himmlischen Sinn. Doch dies soll aus dem Wort erläutert werden.
[Die 4 Hauptlehren 39-40]


Das Wort ist seinem Buchstabensinn nach in bloßen Entsprechungen geschrieben, somit in solchem, was die geistigen Dinge, welche die des Himmels und der Kirche sind, vorbildet und bezeichnet. Dies ist um des inneren Sinns im Einzelnen willen geschehen, somit um des Himmels willen, weil die, welche im Himmel sind, das Wort nicht nach seinem Buchstabensinn, welcher natürlich, sondern nach dem inneren Sinn verstehen, welcher geistig ist. Der Herr sprach in Entsprechungen, Vorbildungen und sinnbildlichen Bezeichnungen, weil aus dem Göttlichen. Der Herr sprach so vor der Welt und vor dem Himmel. Die Dinge, die der Herr sprach, erfüllten den ganzen Himmel. Die historischen Teile des Wortes sind Vorbildungen, die Worte sinnbildliche Bezeichnungen. Das Wort konnte in keinem anderen Stil geschrieben werden, wenn durch dasselbe eine Gemeinschaft und Verbindung mit dem Himmel sein sollte. In großem Irrtum sind die, welche das Wort seines einfältigen und scheinbar ungebildeten Stiles wegen verachten, und denken, sie würden es annehmen, wenn es in anderem Stil geschrieben wäre. Auch die Schreibweise und der Stil der Urmenschen war die durch Vorbildungen und sinnbildliche Bezeichnungen. Die alten Weisen hatten ihre Freude am Wort, weil in ihm Vorbildungen und sinnbildliche Bezeichnungen sind, aus Erfahrung. Wenn der Mensch der Ältesten Kirche das Wort gelesen hätte, so würde er die im inneren Sinn enthaltenen Dinge in Klarheit, und nur dunkel die im äußeren Sinn enthaltenen gesehen haben. Die Söhne Jakobs wurden in das Land Kanaan hingeführt, weil in diesem Land alle Orte von den ältesten Zeiten her zu vorbildenden geworden waren und so zu dem Zweck, dass das Wort daselbst niedergeschrieben würde, in dem die Orte zu nennen waren um des inneren Sinnes willen. Dennoch aber wurde das Wort dem äußeren Sinn nach abgeändert dieses Volkes wegen, nicht aber dem inneren Sinn nach. Damit man wisse, was, und welcher Art die Entsprechungen und welcher Art die Vorbildungen im Wort sind, soll auch darüber noch etwas gesagt werden.
[Vom neuen Jerusalem 261]



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